Hunger

Wie echt ist dein Hunger?

29. März 2021

Die Schokocroissants in der Bäckereiauslage, die Chips-Werbung im Fernsehen, der Duft von frisch gebackenen Plätzchen, die zartschmelzende Lieblingsschokolade… nicht jeder Appetit, den wir verspüren, meint es ehrlich mit uns. Manchmal will er uns einfach nur verführen – obwohl der Körper gerade gar nichts braucht. Wie oft isst du Dinge, obwohl du eigentlich gar keinen Hunger hast? Vielleicht häufiger als du denkst, nämlich immer dann, wenn du Hunger mit Appetit verwechselst. Und das könnte auch ein Grund dafür sein, warum es mit der gesunden Ernährung oder mit dem Abnehmen nicht so richtig klappt.

 

Damit du auf den „falschen Hunger“ nicht mehr reinfällst, ist es wichtig, dass du Appetit von Hunger unterscheiden kannst. Die amerikanische Ärztin Jan Chozen Bays hat sieben verschiedene Arten von Hunger ausgemacht. Ich verrate dir, welche es sind und wie du sie erkennen kannst. Eines schon mal vorweg – von diesen sieben Arten ist nur eine einzige Art der „echte“ Hunger, der durch einen leeren Magen verursacht wird. Bei allen anderen Arten wirst du von deinem Körper ausgetrickst!

1. Augenhunger – der Blickbetrüger

“Das Dessert sah so gut aus, da musste ich einfach nochmal zugreifen!” Kein Wunder, denn nicht umsonst sagt man, dass die Augen mitessen. Aber Vorsicht – dein Körper trickst dich aus! Wenn du erst merkst, dass du Hunger hast, wenn du etwas Leckeres siehst, handelt es sich um Augenhunger. Und Augenhunger ist kein wirklicher Hunger, sondern Appetit!

 

Mein Tipp: Klingt banal, aber funktioniert: Weggucken und an was anderes denken! Augenhunger verleitet dazu, mehr zu essen, als notwendig.

 

2. Nasenhunger – der Duft-Verführer

Möchtest du auch am liebsten direkt zulangen, wenn es nach frisch gebackenem Brot oder Croissants beim Bäcker duftet? Das liegt daran, dass die Aromen unseren Geruchssinn stimulieren und ein „Da habe ich jetzt Appetit drauf“-Gefühl auslösen. Und die Verkaufspsychologie der Supermärkte setzt auf Nasenhunger: es hat einen Grund, warum frisch in den Filialen Brot gebacken wird – wenn es so gut duftet, dann kaufen wir nämlich mehr.

Aber ähnlich wie der Augenhunger ist auch der Nasenhunger ganz schön heimtückisch und nichts weiter als Appetit, der deinen Körper austrickst. Mit einem knurrenden Magen hat der Nasenhunger nichts zu tun.

 

Mein Tipp: Auch hier gilt: Schnell weitergehen oder sich ablenken, dann lässt der Nasenhunger bald nach. Zum Einkaufen ist auch der alte Tipp hilfreich: Am besten satt einkaufen gehen, dann bist du auch nicht so anfällig für Nasenhunger.

 

3. Mundhunger – der abwechslungsreiche Hunger

Du kannst es regelrecht spüren – das Stück Schokolade, was wunderbar zartschmelzend auf deiner Zunge zergeht oder die knusprigen Chips, die würzig nach Paprika und Salz schmecken. Mundhunger entsteht dann, wenn du länger nichts mehr gegessen hast oder dann, wenn du Durst hast. Manchmal kann dein Körper Hunger und Durst nämlich nicht eindeutig voneinander unterscheiden. Mundhunger ist das Bedürfnis nach Abwechslung im Mund. Einem Knuspern, Schmelzen oder was Kühlem wie Eis.

 

Mein Tipp: Damit Mundhunger so selten wie möglich auftritt, solltest du ausreichend trinken. Wenn du dann trotzdem noch das Gefühl hast, etwas essen zu wollen, solltest du auch darauf achten, abwechslungsreich zu essen. So kommt dein Mund erst gar nicht dazu, Langweile zu spüren.

4. Geisthunger – der Besser-Wisser-Hunger

Geisthunger entsteht auf der Suche nach Abwechslung und damit auf der Suche nach der neuesten Information, dem neuesten Ernährungstrend oder der neuesten Diät, meist gepaart mit dem Wunsch, alles richtig zu machen.

 

Geisthunger zeigt sich in Sätzen, die mit „Du solltest“ beginnen: Du solltest mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse essen, du solltest mindestens 2 Liter Wasser trinken, du solltest abends keine Kohlenhydrate essen …. So werden die Lebensmittel in gesunde und schädliche bzw. in gute und böse eingeteilt.

Wenn wir aber alles glauben, was uns Diät-Gurus und neue Ernährungstrends weismachen wollen und immer den neuesten Kick an Informationen suchen, dann verlieren wir uns und unser Bauchgefühl.

 

Mein Tipp: Du bist der Experte für deine Nahrung! Nur du kannst wirklich (er)spüren, was dir gut tut und darauf darfst du auch vertrauen. Also höre auf dein Gefühl: Was tut dir gut? Was macht dich satt und zufrieden? Vertraue dir und vertraue deinem Körper und weniger deinem Geist oder irgendwelchen neuen Trends und Diäten. Und dann hat auch Geisthunger keine Chance!

5. Zellhunger – der clevere Hunger

Zellhunger ist ein Hunger, den ich sehr oft in meinen Ernährungsberatungen sehe. Dein Körper ist nämlich ziemlich clever, er bzw. seine Zellen zeigen dir genau, was sie brauchen. Wenn die Zelle Flüssigkeit braucht, bekommst du ein Signal für Durst, wenn sie Energie braucht, kommt ein Signal – mal für etwas Deftiges, Süßes oder nach einem bestimmten Lebensmittel, wie z.B. Fleisch oder Gemüse, falls es in den letzten Stunden oder Tagen zu kurz gekommen ist.

 

Mein Tipp: Damit dieser Art von Hunger erst gar nicht entsteht, solltest du dafür sorgen, dass dein Körper auf regelmäßiger Basis alle Nährstoffe bekommt, die er braucht, indem du dich ausgewogen, abwechslungsreich und gesund ernährst. Und solltest du schon immer wiederkehrenden Appetit auf ganz bestimmte Lebensmittel oder Nährstoffe verspüren, dann nimm das ernst und lass bei deinem Hausarzt überprüfen, ob deinem Körper vielleicht wichtige Nährstoffe fehlen.

 

6. Magenhunger – der ehrliche Hunger

Seit Stunden hast du nichts gegessen und dein Magen knurrt so laut, dass jeder es hören und du dieses gefühlte Loch im Bauch ganz deutlich spüren kannst. Diesem Gefühl kannst du vertrauen, das ist der echte Hunger: der Magenhunger. Und diesen solltest du so schnell wie möglich befriedigen, denn er signalisiert: Es wird Nachschub an Nährstoffen und Energie benötigt, damit dein Körper wieder voll arbeiten kann.

 

Mein Tipp: Achte auf regelmäßige Mahlzeiten, um in kein Hunger- und Energieloch zu fallen. Und wenn du schon kurz nach einer Mahlzeit wieder Magenhunger bekommst, dann überprüfe die Mengen, die du zu dir nimmst (vielleicht reichen sie nicht und du bist gar nicht richtig satt geworden?) oder auch den Nährstoffgehalt deiner Mahlzeit. Denn sind zu wenig Nährstoffe im Essen (wie zum Beispiel bei Fastfood), dann wird der Magenhunger schnell wieder ausgelöst.

 

7. Herzhunger – der emotionale Hunger

Kennst du das? Du fühlst dich einsam, angespannt oder auch traurig und isst dann Dinge, die dir auf die Schnelle ein gutes Gefühl bescheren? Ganz häufig essen wir, nicht weil wir hungrig sind, sondern weil wir eine Leere im Herzen füllen wollen. Oder auch, weil wir gestresst sind, emotional überfordert und frustriert sind.

Da kann Essen eine willkommene Ablenkung sein und für kurze Zeit ist alles gut, aber eben nur für kurze Zeit. Und dann kommt der Frust und das schlechte Gewissen, weil du etwas gegessen hast, was überflüssig war und dir tatsächlich gar nicht gut.

 

Mein Tipp: Es gibt nur eine Möglichkeit, den Herzhunger langfristig zu bekämpfen: Du musst die Ursache finden und beseitigen. Hör dir dazu gerne meinen Podcast diese Woche an, in dem ich darüber spreche, welche Möglichkeiten wir haben, emotionales Essen aufzulösen und wieder ein entspanntes, gesundes Verhältnis zu unserer Ernährung zu finden.

 

Gibt es noch mehr Arten von Hunger?

Aus meiner Sicht, gibt es noch den Verzichthunger, der immer dann schnellt entsteht, wenn wir uns Dinge verbieten. Sei es während einer Diät oder weil wir meinen, bestimmte Lebensmittel seien „böse“.

 

Mein Tipp: Verzichte auf Verbote 🙂 Werde dir über die Wirkung deiner Lebensmittel bewusst und versuche dich im Alltag gesund und ausgewogen zu ernähren. Dann kannst du dir auch ab und an die kleinen Sünden erlauben, die dir im Zweifel großen Genuss schenken. Und das ganz ohne schlechtes Gewissen! Denn wenn du dir diese Genussmomente erlaubst, alles zu essen, ist das Problem mit dem Verzichthunger schnell gelöst.

 

Wünscht du dir individuelle und persönliche Unterstützung, um deine Ernährung gesünder zu gestalten und dich wieder wohler und fitter zu fühlen? Dann buch dir doch ein kostenloses Erstgespräch bei mir und lass uns schauen, ob und wie ich dich dabei unterstützen kann!
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