
Herbstblues aus TCM-Sicht
11. November 2025So bringst du dein Qi wieder in Fluss
Wenn die Tage kürzer werden und das Licht schwächer wird, zieht sich die Natur zurück – und oft auch wir selbst. Viele spüren in dieser Zeit einen inneren Rückzug, Melancholie oder Antriebslosigkeit – den sogenannten Herbstblues.
Tatsächlich ist das ganz natürlich: In dieser Jahreszeit darf es etwas ruhiger werden, wir dürfen innehalten, Bilanz ziehen und Altes loslassen. Problematisch wird es nur, wenn die Traurigkeit zur vorherrschenden Emotion wird und unser Qi zu stagnieren beginnt – dann fehlt uns die Leichtigkeit und Lebensfreude.
Mit ein paar einfachen TCM-Prinzipien lässt sich der Herbstblues abmildern und Körper, Geist und Seele wieder in Balance bringen.
Wärmende, nährende Mahlzeiten mit einer Prise Schärfe
Im Herbst braucht der Körper Wärme und Erdung. Kühle, rohe Speisen schwächen die Mitte – Suppen, Eintöpfe, Ofengemüse und Porridge stärken dagegen das Qi. Achte jetzt auch auf sanft scharfe Akzente, die deine Energie wieder nach oben ziehen und träge, melancholische Stimmungen auflösen.
Gut geeignet sind Ingwer, Zimt, Galgant, Knoblauch, Schnittlauch oder Rettich, sowie wärmende Speisen wie Kürbis, Süßkartoffel, Karotten oder Fenchel. Kraftbrühen aus Gemüse (oder Fleisch, falls du es isst) mit etwas Ingwer sorgen für ein gutes Verdauungsfeuer, vertreiben Kälte und Schwere aus Körper und Geist. Mein Rezept für Gemüsekraftbrühe findest du >>HIER.
Atme tief – und lass los
Das Metall-Element steht für die Lunge – und für die Fähigkeit, loszulassen. Der Herbst ist daher eine emotionale Zeit: Traurigkeit, Nachdenklichkeit oder Wehmut gehören in dieser Jahreszeit ein Stück weit dazu. Sie sind Zeichen, dass wir innerlich aufräumen. Doch sie sollten nicht zur dominierenden Stimmung werden. Wenn die Lunge zu schwach ist, kann sie das Alte nicht richtig abgeben – Qi staut sich, und die Stimmung kippt.
Was hilft? Täglich bewusst atmen, fünf Minuten tiefe Bauchatmung oder Atemübungen im Freien, frische Luft und Spaziergänge. Lungenfreundliche Lebensmittel wie Birnen, Rettich, Mandeln, weißer Sesam, Lauch, Radieschen und Zwiebeln befeuchten und bringen das Qi wieder in Bewegung. Auch Qi-Gong oder Dehnübungen, die den Brustkorb öffnen, fördern Weite und emotionale Stabilität.
Qi und Blut nähren – die innere Decke für kalte Tage
Wenn Müdigkeit, Reizbarkeit oder Stimmungstiefs überhandnehmen, steckt oft eine Schwäche von Qi und Blut dahinter. Jetzt helfen nährende Lebensmittel, die Energie und Wärme aufbauen: rote Linsen, rote Bete, Datteln, Goji-Beeren, schwarze Sesamsamen, Winter- und Wurzelgemüse, sowie Kräutertees mit Angelikawurzel oder Zimt.
Diese Kombination stärkt Milz und Leber, harmonisiert das Blut und schenkt innere Stabilität – eine wichtige Grundlage, um seelisch ausgeglichen durch die dunklere Jahreszeit zu kommen.
Licht und Rhythmus – Nahrung für den Geist
Auch das zählt zur Lebenspflege (Yang Sheng): Geh täglich ans Tageslicht, am besten vormittags. Halte regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten ein – der Herbst liebt Struktur. Plane bewusste Pausen, kleine Freuden und warme Begegnungen ein. Auch kurze Meditationen oder eine achtsame Tasse Tee am Nachmittag können helfen, dich wieder zu zentrieren.
Das alles stärkt dein Shen, den Geist, und schützt vor innerer Leere und Trägheit – die Wurzel vieler Herbstblues-Beschwerden.
Der Herbst lädt uns ein, loszulassen, zu sortieren und uns auf das Wesentliche zu besinnen. Mit wärmender Ernährung, tiefer Atmung und einer Prise Schärfe für Körper und Seele bleibt dein Qi in Bewegung – und du gehst klar, gestärkt und mit warmem Herzen in die dunklere Jahreszeit.
Wenn du noch tiefer in das Thema eintauchen möchtest: Im Podcast Radikal Glücklich von Silja Mahlow spreche ich mit ihr in Folge Nr. 344 über den Herbstblues aus Sicht der TCM und teile weitere Tipps, wie du dein Qi und deine Emotionen in Balance bringen kannst. Du findest ihn überall dort, wo es Podcasts gibt.
