Januar

Der Januar ist kein Monat zum Durchhalten

14. Januar 2026

Warum langsamer werden aus Sicht der TCM so wichtig ist

Der Jahreswechsel ist für viele Frauen mit Erwartungen verbunden: ein frischer Start, neue Vorsätze, mehr Struktur, mehr Energie. Gleichzeitig fühlt sich der Januar für viele erstaunlich schwer an. Der Alltag nimmt wieder Fahrt auf, berufliche Anforderungen steigen, familiäre Routinen greifen – während der Körper noch deutlich langsamer unterwegs ist.

In meiner Praxis höre ich im Januar oft ähnliche Sätze:

„Ich komme morgens kaum in Gang.“
„Ich schlafe genug, bin aber trotzdem müde.“
„Ich habe das Gefühl, innerlich auf Sparflamme zu laufen.“

Aus Sicht der TCM sind das keine Zeichen von Schwäche oder mangelnder Motivation, sondern klare Hinweise darauf, dass der Körper noch im Wintermodus ist. Problematisch wird es vor allem dann, wenn diese Signale ignoriert und mit noch mehr Druck beantwortet werden.

Winterzeit heißt: Energie bewahren statt verbrauchen

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gehört der Januar zum Element Wasser. Diese Phase steht für Rückzug, Regeneration und das Bewahren von Energie. Die zugehörigen Organe – die Nieren – gelten als Speicher unserer Lebensenergie. Sie beeinflussen nicht nur unsere körperliche Kraft, sondern auch Belastbarkeit, innere Stabilität, Hormonbalance und Stressresistenz.

Gerade für Frauen ist das besonders relevant. Dauerstress, Schlafmangel, emotionale Belastung, Mehrfachrollen und der Anspruch, allem gerecht zu werden, wirken direkt auf die Nierenenergie. Im Winter ist diese besonders empfindlich. Wer sie jetzt weiter strapaziert, greift auf Reserven zurück, die eigentlich geschützt werden sollten.

Das Tückische daran: Die Folgen zeigen sich oft nicht sofort. Viele Frauen „funktionieren“ im Winter weiter – und wundern sich im Frühjahr über Erschöpfung, Zyklusunregelmäßigkeiten, Infektanfälligkeit oder das Gefühl, hormonell aus dem Gleichgewicht geraten zu sein.

Warum Durchhalten im Januar langfristig schwächt

„Da muss ich jetzt durch“ ist ein Satz, der tief verankert ist – vor allem bei Frauen, die Verantwortung tragen. Kurzfristig kann Durchhalten funktionieren. Langfristig jedoch kostet es Substanz.

In der TCM gilt: Wer im Winter über seine Kräfte lebt, dem fehlt im Frühjahr die Energie für Wachstum. Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen:
– anhaltende Müdigkeit trotz Schlaf
– erhöhte Reizbarkeit oder innere Unruhe
– PMS, Zyklusverschiebungen oder verstärkte Beschwerden
– das Gefühl, emotional schneller an Grenzen zu kommen

Der Januar ist keine Zeit für Hochleistung, Selbstoptimierung oder große Veränderungen. Er ist eine Phase, in der Stabilität, Rhythmus und Regelmäßigkeit wichtiger sind als Tempo.

Selbstfürsorge im Januar ist keine Kür

Langsamer zu werden bedeutet nicht, weniger leistungsfähig zu sein. Es bedeutet, den eigenen Rhythmus ernst zu nehmen. Oft sind es kleine, realistische Anpassungen, die viel bewirken: frühere Schlafenszeiten, warme Mahlzeiten, weniger Termine am Abend, bewusste Pausen zwischen Verpflichtungen.

Gerade Ernährung spielt hier eine zentrale Rolle. Unregelmäßiges Essen, kalte Speisen oder der Griff zu stimulierenden Lebensmitteln, um „durchzukommen“, belasten den Körper zusätzlich. Wärmende, nährende Mahlzeiten geben dagegen Halt und Stabilität – körperlich wie emotional.

Auch mental darf im Januar Druck herausgenommen werden. Nicht alles muss sofort entschieden, gelöst oder optimiert werden. Manche Themen dürfen warten. Diese innere Erlaubnis wirkt oft entlastender als jede äußere Veränderung.

Was wir Frauen aus dem Januar mitnehmen dürfen

Der Januar lädt dazu ein, den eigenen Umgang mit Leistung zu hinterfragen. Statt sich selbst ständig anzutreiben, darf jetzt gefragt werden:
Was nährt mich? Was stabilisiert mich? Was darf gerade weniger werden?

Gerade für uns Frauen ist diese Form der Selbstfürsorge manchmal eine Herausforderung. Wir sind es gewohnt, stark zu sein, zu tragen und weiterzumachen. Doch echte Stärke zeigt sich auch darin, rechtzeitig langsamer zu werden.

Wer den Januar nutzt, um gut für sich zu sorgen, legt einen stabilen Grundstein für das restliche Jahr – für mehr Energie, hormonelle Balance und innere Ruhe. Nicht durch Durchhalten, sondern durch bewusste Fürsorge.