
Wechseljahre aus Sicht der TCM
29. März 2026Warum diese Zeit nicht nur Verlust, sondern auch Wandlung bedeutet
Vor Kurzem durfte ich ein Interview für das Buch „Wechseljahre – Befreiungsjahre“ von Silja Mahlow geben. Das Buch beschreibt die Wechseljahre nicht nur als hormonelle Umbruchphase, sondern auch als Einladung zur Neuorientierung, Kurskorrektur und Rückverbindung mit sich selbst. Einen ganz ähnlichen Blick auf diese Lebensphase finden wir auch in der TCM – umso mehr habe ich mich gefreut, diesen Ansatz mit meinem Beitrag im Buch unterstützen zu dürfen.
Denn aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin sind die Wechseljahre nicht einfach „eine Zeit, in der etwas kaputtgeht“.
Sie sind ein natürlicher energetischer Wandel – und oft auch eine Phase, in der sich zeigt, was der Körper über viele Jahre getragen hat.
Wechseljahre aus Sicht der TCM: Wenn Yin und Yang sich verschieben
In der TCM lässt sich Gesundheit vereinfacht als ein Zusammenspiel von Yin und Yang beschreiben. Yin steht dabei unter anderem für Kühlung, Regeneration, Substanz, Ruhe und Körpersäfte. Yang hingegen repräsentiert eher Wärme, Aktivität, Bewegung, Antrieb sowie funktionelle Kraft. Beide Pole gehören untrennbar zusammen und halten sich im Idealfall gegenseitig in Balance. Solange Yin und Yang in einem guten Verhältnis zueinander stehen, erleben wir uns meist als reguliert, belastbar und innerlich ausgeglichener.
Doch dieses Gleichgewicht bleibt im Laufe des Lebens nicht unverändert. Es wird von vielen inneren und äußeren Faktoren beeinflusst – zum Beispiel durch chronischen Stress, Schlafmangel, emotionale Belastungen, Geburten, Operationen, Erkrankungen, unregelmäßige Mahlzeiten oder viele Jahre des bloßen Funktionierens. In den Wechseljahren kommt nun ein weiterer, ganz natürlicher Wandel hinzu: Durch die hormonellen Veränderungen kann es aus Sicht der TCM zu einer Verschiebung der Yin-Yang-Balance zulasten des Yin kommen. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass dem Körper nach und nach mehr Kühlung, Feuchtigkeit und Substanz fehlen – und dadurch innere Wärme stärker in den Vordergrund treten kann. Genau daraus lassen sich viele typische Beschwerden dieser Lebensphase erklären.
Warum Hitzewallungen, Schlafprobleme und Trockenheit entstehen können
Wenn das Yin im Laufe der Wechseljahre schwächer wird, fehlen dem Körper zunehmend jene Anteile, die für Kühlung, Feuchtigkeit, Regeneration und innere Ruhe zuständig sind. Das kann dazu führen, dass Wärme weniger gut gehalten und reguliert werden kann und stärker an die Oberfläche tritt. Typische Folgen können Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Schlafprobleme, innere Unruhe, Herzklopfen, trockene Haut oder trockene Schleimhäute sein. Auch emotionale Dünnhäutigkeit oder eine erhöhte Reizbarkeit lassen sich aus dieser Perspektive häufig gut einordnen.
Wichtig ist dabei, die Wechseljahre nicht zu pauschal zu betrachten. Nicht jede Frau erlebt diese Phase gleich, und nicht jede Beschwerde ist automatisch ein Zeichen für „zu viel Hitze“. In der TCM wird immer differenziert geschaut: Wo fehlt Substanz? Wo ist zu viel Spannung? Wo braucht der Körper Kühlung – und wo eher Stabilisierung? Gerade deshalb ist ein individueller Blick auf Beschwerden in dieser Lebensphase so wertvoll.
Ernährung in den Wechseljahren: Warum die thermische Wirkung so wichtig ist
Ein großer Schatz der chinesischen Ernährungslehre ist, dass Lebensmittel nicht nur nach Kalorien, Vitaminen oder Eiweiß bewertet werden – sondern auch nach ihrer thermischen Wirkung.
Aus Sicht der TCM können Lebensmittel von heiß oder wärmend über neutral bis erfrischend oder kühlend wirken. Mehr dazu erfährst du >>HIER.
Diese energetische Wirkung beeinflusst, wie der Körper auf Nahrung reagiert. Gerade bei Hitzewallungen, Schlafproblemen oder innerer Unruhe lohnt es sich deshalb, nicht nur zu fragen:
„Ist das gesund?“, sondern auch: „Ist das in meiner aktuellen Situation überhaupt passend?“
Welche Lebensmittel Hitzesymptome häufig verstärken können
Wenn bereits viel innere Wärme, Trockenheit oder Unruhe vorhanden ist, können stark wärmende Lebensmittel Beschwerden zusätzlich anfachen.
Dazu zählen häufig:
- hochprozentiger Alkohol
- Rotwein
- Glühwein
- stark wärmende Gewürztees
- viele ayurvedische Teemischungen
- Chili und Cayennepfeffer
- Curry
- viel Knoblauch
- getrockneter Ingwer
- Zimt
- Rosmarin
- Lamm, Wild und Ziegenfleisch
Das bedeutet nicht, dass diese Lebensmittel grundsätzlich „schlecht“ sind.
Aber wenn bereits Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Schlafprobleme oder innere Unruhe vorhanden sind, lohnt sich oft ein genauerer Blick.
Kleine Alltagsgewohnheiten mit großer Wirkung
In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass nicht unbedingt „große Ernährungsfehler“ das Problem sind – sondern oft scheinbar harmlose Routinen, die über längere Zeit nicht gut zur aktuellen energetischen Situation passen.
Haferflocken als Standardfrühstück
Hafer ist grundsätzlich wertvoll, wirkt aber auch eher aktivierend und antreibend.
Bei ausgeprägter innerer Unruhe oder Schlafstörungen können Reis- oder Gerstenflocken manchmal die stimmigere Wahl sein.
Der „gesunde“ Gewürztee
Fenchel, Ingwer, Zimt, Nelke oder stark wärmende Kräutermischungen sind nicht automatisch immer hilfreich.
Gerade bei viel innerer Hitze können sie das Feuer weiter anfachen.
Das Abendbrot mit Salami oder luftgetrocknetem Schinken
Trocken, salzig, zusammenziehend – aus TCM-Sicht kann genau das die ohnehin reduzierte Feuchtigkeit im Körper zusätzlich belasten.
Rosmarinkartoffeln am Abend
Rosmarin ist ein wunderbares Kraut – aber eben auch sehr aktivierend.
Bei Schlafproblemen oder innerer Unruhe ist das abends nicht immer ideal.
Das Glas Rotwein am Abend
Viele Frauen empfinden es zunächst als entspannend.
Energetisch wirkt Alkohol jedoch meist erhitzend und kann Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen oder nächtliches Aufwachen verstärken.
Was in den Wechseljahren häufig besser tut
Wenn in den Wechseljahren Hitze und Trockenheit im Vordergrund stehen, geht es aus TCM-Sicht nicht um Verbote, sondern um Ausgleich.
Oft hilfreich sind eher:
- regelmäßige, ruhige Mahlzeiten
- gekochte statt stark austrocknende Speisen
- sanft befeuchtende Lebensmittel
- ausreichend Eiweiß
- weniger Reizüberflutung
- mehr Stabilität im Alltag
- ein Nervensystem, das nicht dauerhaft im Alarmmodus läuft
Denn die Wechseljahre sind nicht nur hormonell.
Sie sind oft auch eine Phase, in der sichtbar wird, wie viel eine Frau über Jahre getragen, kompensiert und ausgehalten hat.
Warum ich das Buch „Wechseljahre – Befreiungsjahre“ gern empfehle
Genau deshalb habe ich mich sehr gefreut, ein Interview für „Wechseljahre – Befreiungsjahre“ von Silja Mahlow zu geben.
Was ich an diesem Buch besonders schön finde:
Es betrachtet diese Lebensphase nicht defizitär, sondern als einen möglichen Wendepunkt. Als Zeit, in der nicht nur Symptome auftauchen – sondern auch neue Fragen, neue Bedürfnisse und oft ein neuer Blick auf sich selbst.
Wenn du dich tiefer mit den Wechseljahren beschäftigen möchtest – nicht nur körperlich, sondern ganzheitlich – dann ist dieses Buch eine wunderbare Inspiration und kann dir als Leitfaden für eine bewusste, sanfte Transformation durch Perimenopause und Wechseljahre dienen.
Fazit: Die Wechseljahre wollen nicht „wegbehandelt“, sondern verstanden werden
Die Wechseljahre sind nicht nur eine hormonelle Umstellung.
Sie sind oft auch eine Einladung, den eigenen Körper noch einmal neu kennenzulernen.
Nicht alles, was sich verändert, ist ein Defizit.
Manches ist ein Hinweis.
Ein Signal.
Ein Übergang.
Und manchmal beginnt echte Entlastung genau dort, wo wir aufhören, gegen den Körper zu arbeiten – und anfangen, ihn besser zu verstehen 💚
